| Zöliakie
ist keine Zivilisationskrankheit. Chronische Durchfälle bei Frauen
und Kindern beschrieb ein griechischer Arzt schon 200 v. Chr. Eine vollständige
Darstellung des Krankheitsbildes lieferte ein Arzt namens Samuel Gee 2000
Jahre später. Und erst 1950 erkannte man, dass Gluten schuld an den
typischen Zöliakiebeschwerden ist.
Zöliakie
ist also keinesfalls eine moderne Zivilisationserkrankung. Sie wird nicht
durch falsche, einseitige Ernährung ausgelöst und Sie haben auch
keinerlei „Schuld“ an der Entwicklung einer Zöliakie bei sich selbst
oder Ihrem Kind.
Die Geschichte des
Weizens und damit die Verbreitung von Zöliakie
Einen
Teil meiner Ausführungen über die Geschichte des Weizens und
die Verbreitung von Zöliakie habe ich einem interessanten Beitrag
von Silvana Haag, Vorstandmitglied IG Zöliakie, entnommen:
Brot
und weitere Getreideprodukte nehmen in unserer europäischen Kultur
einen breiten Platz ein. Verglichen mit den zwei Millionen Jahren, in denen
es Menschen geben soll, ist die Geschichte des Brotes resp. Getreides aber
erst ein paar Stunden alt.
Unabhängig
voneinander entstanden auf verschiedenen Kontinenten Zentren der Tierhaltung
und Landwirtschaft. Die Mehrzahl der Völker kultivierte damals noch
glutenfreie Getreide wie Reis (Asien), Mais (Südamerika), Hirse (Afrika).
Auch Hülsenfrüchte waren bekannt (z.B. Soja in Asien und Bohnen
in Südamerika). Das Anpflanzen von Weizen und Gerste nahm seinen Anfang
vor ca. 9000 Jahren in einem begrenzten Gebiet zwischen der heutigen Türkei
und dem Irak. In einem Zeitraum von 5000 Jahren verbreitete sich die Gewohnheit
Getreide zu kultivieren schrittweise rund um das Mittelmeer, nach Osten
in den Orient und entlang der Donau.
Das
glutenfreie Getreide Reis kam im 8. Jahrhundert durch die Araber nach Europa
und wurde zuerst in Spanien kultiviert.
Warum wurde Weizen
zu unserem Hauptgetreide?
Bei
der Kultivierung von Getreide versuchte man von jeher Verbesserungen zu
erreichen. Das wichtigste Kriterium war dabei eine Getreidesorte mit einem
hohen Kleberanteil zu züchten. Ein hoher Kleberanteil ist ein Garant
für gute Backeigenschaften.
Weizen
mit seinem hohen Glutenanteil resp. hervorragenden Klebereigenschaften
wurde zum Massstab für gute Qualität!
Zusammenfassend
lässt sich sagen, dass die Menschen während Tausenden von Jahren
nie in Berührung mit Gluten kamen. In der Zeitspanne von 5000 v. Chr.
bis 1600 n. Chr. waren nur geringe Mengen von Gluten im Spiel. Moderner
Weizen von qualitativ bester Züchtung mit sehr hohem Glutenanteil
ist so neu, dass man annehmen muss, dass viele Menschen offenbar keine
immunologische Toleranz gegenüber Gluten entwickelt haben. Über
Tausende von Jahren hatte diesen Menschen ihre genetische Disposition Vorteile
gegenüber Infektionskrankheiten gebracht. Gegenüber Gluten reagiert
ihr Immunsystem aber selbst zerstörerisch. Sie entwickeln eine Zöliakie.
Diese
These wird unterstützt durch Beobachtungen des afrikanischen Volkes
der Saharawis. Durch kriegerische Auseinandersetzungen war dieses Volk
gezwungen, ihr abgestammtes Territorium zu verlassen. Sie ernährten
sich fortan nicht mehr mit ihrem über Jahrhunderte gewohnten Grundnahrungsmittel
Sorghum (eine glutenfreie Hirseart). In den Flüchtlingslagern war
der wesentliche Anteil der Nahrungsmittelhilfe Weizen. Heute weist das
Volk der Saharawis die weltweit höchste Rate an Zöliakiebetroffenen
auf.
In
Europa rechnet man mit einer Häufigkeit von Zöliakie von 1 :
100. Internationale Studien belegen, dass erst 2 von 10 Betroffenen diagnostiziert
sind. |